Psychische Belastungen erkennen – mit KI neue Wege gehen

Wissenschaftlich fundiert, individuell und praxisnah: Der KI-gestützte Belastungscoach (belastungscoach.mcin.ch) unterstützt Mitarbeitende dabei, ihre Arbeitssituation besser zu verstehen und konkrete Verbesserungen anzustossen.

Zeitdruck, hohe Anforderungen oder fehlende Anerkennung können belasten. Doch welche Faktoren wirken sich auf unser Wohlbefinden aus – und wo liegen unsere Ressourcen? Der KI-gestützte Belastungscoach hilft, diesen Fragen auf den Grund zu gehen.

Drei wissenschaftliche Grundlagen

Der Coach basiert auf drei etablierten Konzepten: COPSOQ erfasst psychosoziale Arbeitsbedingungen, die HSE Management Standards beleuchten zentrale Faktoren gesunder Arbeitsgestaltung und das ERI-Modell untersucht das Verhältnis zwischen Einsatz und Anerkennung. Zusammen ermöglichen sie eine differenzierte Einschätzung individueller Belastungen und Ressourcen.

COPSOQ (aktuelle Version: COPSOQ III) erfasst ein breites Spektrum psychosozialer Arbeitsbedingungen: quantitative, emotionale und kognitive Anforderungen, Handlungsspielraum, soziale Unterstützung, Führungsqualität, Work-Life-Konflikt sowie gesundheitsbezogene Outcomes. Es liegt in Kurz-, Mittel- und Langversion vor und bietet Referenzwerte.

HSE Management Standards beschreiben sechs zentrale Gestaltungsbereiche der Arbeit, deren unzureichende Steuerung mit erhöhten Gesundheitsrisiken verbunden ist: Demands (Anforderungen), Control (Handlungsspielraum), Support (Unterstützung), Relationships (Beziehungen), Role (Rollenklarheit) und Change (Umgang mit Veränderungen).

ERI-Modell (Siegrist) fokussiert auf das Ungleichgewicht zwischen erbrachtem Aufwand (Effort) und erhaltener Belohnung (Reward: Gehalt, Anerkennung, Aufstiegschancen, Sicherheit). Chronisches Ungleichgewicht ist mit erhöhten Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen assoziiert.

In vier Schritten vom Ergebnis zur Veränderung

  1. Einschätzen: Eine standardisierte Befragung erfasst relevante Aspekte der persönlichen Arbeitssituation.
  2. Verstehen: Im KI-Dialog können Ergebnisse vertieft, Fragen geklärt und Zusammenhänge reflektiert werden.
  3. Einordnen: Die verschiedenen Dimensionen werden ausgewertet. Belastungsschwerpunkte und Ressourcen werden sichtbar.
  4. Umsetzen: Die Erkenntnisse bilden die Grundlage für ein persönliches Gespräch mit einem Coach oder einer Fachperson. Gemeinsam werden konkrete Schritte für den Arbeitsalltag entwickelt.

KI unterstützt – der Mensch macht den Unterschied

Der Belastungscoach ermöglicht eine strukturierte Selbstreflexion und liefert Impulse für die Prävention. Er stellt keine Diagnose und ersetzt kein persönliches Gespräch. Erst durch den Austausch mit Menschen und die Umsetzung geeigneter Massnahmen können nachhaltige Verbesserungen entstehen.

Das Ziel: Belastungen frühzeitig erkennen, Ressourcen stärken und gemeinsam eine gesunde Arbeitskultur gestalten.

Quellen:

Health and Safety Executive. (n.d.). Management Standards Indicator Tool. https://www.hse.gov.uk/stress/standards/downloads.htm

Pejtersen, J. H., Kristensen, T. S., Borg, V., & Bjorner, J. B. (2010). The second version of the Copenhagen Psychosocial Questionnaire (COPSOQ II). Scandinavian Journal of Public Health, 38(3 Suppl.), 8–24. https://doi.org/10.1177/1403494809349858

Siegrist, J. (2026). Effort–reward imbalance at work and health: Review and critical appraisal of three decades of research. Scandinavian Journal of Work, Environment & Health, 52(2), 179–188. https://doi.org/10.5271/sjweh.4267
(Volltext: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12966989/)

COPSOQ International Network. (n.d.). COPSOQ III. Guidelines and questionnaire. https://www.copsoq-network.org/