Wenn der Persönlichkeitstest zur perfekten Selbstdarstellung wird

Wie ehrlich ist ein Persönlichkeitstest, wenn viel auf dem Spiel steht? Wer sich für einen Arbeitsplatz bewirbt, möchte kompetent, belastbar und teamfähig wirken. Genau hier beginnt das Problem des sogenannten Fakings: Antworten werden nicht danach ausgewählt, was tatsächlich auf die eigene Persönlichkeit zutrifft, sondern danach, was möglichst positiv erscheint.

Die Psychologie versucht deshalb, solche Verfälschungen zu erschweren. Eine vergleichsweise einfache Methode ist die Warnung vor Entdeckung. Wird angekündigt, dass unehrliche Antwortmuster erkannt werden können, sinkt die Bereitschaft zum bewussten Schönfärben.

Auch Forced-Choice-Verfahren setzen an diesem Punkt an. Statt eine Aussage einfach mit „stimme zu“ oder „stimme nicht zu“ zu bewerten, müssen sich Testpersonen zwischen mehreren ähnlich attraktiven Eigenschaften entscheiden. Dadurch wird weniger offensichtlich, welche Antwort als besonders erwünscht gilt.

Eine weitere Möglichkeit ist Zeitdruck. Wer weniger Zeit zum Nachdenken hat, kann Antworten schwieriger strategisch optimieren. Allerdings kann zu hoher Zeitdruck auch die Testqualität beeinträchtigen. Deshalb ist keine einzelne Methode eine perfekte Lösung.

Vielversprechender ist die Kombination verschiedener Informationsquellen. Testergebnisse können beispielsweise mit Lebenslauf, Interview, Verhaltensbeobachtungen oder Situational-Judgment-Tests verglichen werden. Stimmen die unterschiedlichen Perspektiven nicht überein, kann dies auf eine bewusste Selbstdarstellung hindeuten.

Moderne Verfahren gehen noch weiter: Neutral formulierte Fragen machen die „richtige“ Antwort weniger offensichtlich. Gamifizierte und indirekte Aufgaben erhöhen die kognitive Komplexität, während Analysen von Antwortmustern, Reaktionszeiten und Inkonsistenzen mithilfe statistischer Modelle oder maschinellen Lernens zusätzliche Hinweise liefern können.

Doch absolute Faking-Sicherheit gibt es nicht. Gerade in Auswahlverfahren bleibt der Anreiz zur Selbstdarstellung hoch. Deshalb gilt zunehmend: Ein Persönlichkeitstest sollte nicht als alleinige Wahrheit über einen Menschen betrachtet werden. Erst die Kombination aus Selbstbericht, Verhalten und weiteren Informationen ermöglicht ein belastbareres Bild der Persönlichkeit.