Ob im Bewerbungsgespräch, Assessment, bei Mitarbeiterbeurteilungen oder Führungsfeedbacks: Unsere Wahrnehmung ist nicht immer objektiv. Bestimmte Beobachtungs- und Beurteilungsfehler können dazu führen, dass Personen nicht anhand ihres tatsächlichen Verhaltens, sondern aufgrund subjektiver Eindrücke bewertet werden.
Zu den häufigsten Verzerrungen gehören:
- Similar-to-me-Effekt: Menschen werden positiver beurteilt, wenn sie uns beispielsweise in Persönlichkeit, Ausbildung, Interessen oder Auftreten ähnlich sind.
- Jumping-to-Conclusion-Effekt: Aus wenigen Beobachtungen werden vorschnelle Schlussfolgerungen gezogen und einzelne Verhaltensweisen verallgemeinert.
- Milde- bzw. Strengeeffekt: Beurteilende neigen grundsätzlich zu besonders positiven oder besonders kritischen Bewertungen – unabhängig vom tatsächlichen Verhalten.
- Primacy- und Recency-Effekt: Erste oder zuletzt gewonnene Eindrücke erhalten ein übermässig hohes Gewicht.
- Kontrasteffekt: Eine Person wird nicht anhand definierter Standards, sondern im Vergleich zur unmittelbar zuvor beobachteten Person beurteilt.
- Halo-Effekt: Ein einzelnes besonders positives oder negatives Merkmal «überstrahlt» die Gesamtbeurteilung.

Beobachtung ≠ Bewertung
Ein zentraler Grundsatz professioneller Beobachtung ist die klare Trennung von beobachtbarem Verhalten und dessen Interpretation. Statt vorschnell auf Kompetenzen oder Eigenschaften zu schliessen, sollten zunächst möglichst viele konkrete Verhaltensbeispiele erfasst und dokumentiert werden. Erst danach erfolgt die Bewertung anhand klar definierter Kriterien.
Warum ist das wichtig?
Solche Verzerrungen sind in der Urteils- und Entscheidungspsychologie sowie in der Personaldiagnostik gut bekannt. Sie entstehen unter anderem dadurch, dass Menschen Informationen selektiv wahrnehmen und vereinfachen.
Strukturierte Verfahren, einheitliche Bewertungskriterien und mehrere unabhängige Beobachtende helfen, diese Effekte zu reduzieren. So werden Beurteilungen nachvollziehbarer, fairer und stärker am tatsächlich beobachteten Verhalten ausgerichtet.
Quellen:
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